Bewerbung des Landkreises Neuwied als „Fairtrade-Kreis“…

… im Rahmen der Internationalen Kampagne“Fairtrade-Towns“ von TransFair

 

Der Kreistag möge beschließen:

Der Landkreis Neuwied soll im Rahmen der internationalen Kampagne von TransFair „Fairtrade-towns“ den Fairen Handel auf lokaler Ebene fördern und sich entsprechend der fünf Bewerbungskriterien um den Titel „Transfair-Kreis“ bewerben.

Der Landkreis Neuwied unterzeichnet die Milleniumserklärung des Deutschen Städtetages (s. Anlage) und verpflichtet sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Verwirklichung der Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mitzuwirken.

Begründung:

Lebensmittel und andere Produkte werden global auf der ganzen Welt hergestellt. Gerade die in den letzten Wochen und Monate immer häufiger auftretenden Lebensmittelskandale und Informationen über unzureichende Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber mittlerweile auch in Europa, sollte uns sensibilisieren und unsere Einkaufsentscheidungen dazu nutzen, fair gehandelte und regionale Produkte aus regionalen Unter-nehmen und Unternehmen mit fairen Arbeitsbedingungen zu unterstützen.

1992 starte der gemeinnützige Verein TransFair seine Arbeit mit dem Ziel, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch den Fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Der Faire Handel unterstützt Produzentinnen und Produzenten, insbesondere benachteiligte kleinbäuerliche Familien in den Entwicklungs-ländern, um ihnen eine menschenwürdige Existenz aus eigener Kraft zu ermöglichen. Zum Beispiel decken die festgelegten Mindestpreise die Produk-tionskosten und sichern so das Existenzminium. Die gezahlten Aufschläge ermöglichen eine Investition in die Zukunft.

Die Standards des Fairen Handels entsprechen den internationalen Standards der Fairtrade Labeling Organization International (FLO). Die unabhängige FLO-CERT GmbH mit Sitz in Bonn stellt sicher, dass die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel nach den internationalen FLO-Standards produziert und gehandelt werden.

Die Kampagne „Faitrade-Towns“ startete im Jahre 2000 mit großem Erfolg in Großbritannien. Weltweit existieren über 600 Fairtrade-Towns, wie z.B. London, Rom, Brüssel, San Francisco und Kopenhagen.

In Deutschland wird die Kampagne seit Januar 2009 durchgeführt. Die Kreisstadt Neuss (2009) zählt zu den ersten Fairtrade-Towns in Deutschland und kann auf eine langjährige, erfolgreiche Tradition im Fairen Handel verweisen. Die Neusser-Eine-Welt-Initiative e.V. (NEWI) war 1992 Mitbegründerin von TransFair e.V., der Organisation, die in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt.

Auch der Landkreis Neuwied soll den Fairen Handel auf lokaler Ebene fördern und sich als „Fairtrade-Kreis“ im Rahmen der internationalen Kampagne bewerben.

Erfahrungswerte kann der Landkreis Neuwied auch bei der Stadt Unkel oder Mayen einholen, die seit kurzem Fair-Trade-Stadt sind.

Der Landrat soll die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit federführend mit der Umsetzung des Projektes beauftragen. Eine Fairtrade-Town kann ein Kreis, eine kreisfreie Stadt, eine Gemeinde/Stadt, ein Dorf oder eine Region sein. Der Status wird verliehen, wenn die folgenden fünf weltweit einheitlichen Kriterien erfüllt sind:

 

1. Es liegt ein Beschluss des Kreistages vor, dass bei allen Sitzungen des Kreistages und seiner Ausschüsse sowie im Büro des Landrates Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel (z.B. Tee, Saft) verwendet wird. Die Umstellung auf fair beschaffte Produkte muss nicht immer zu (größeren) Mehrkosten führen. Fair gehandelten Kaffee bieten z. B. bereits mehrere Discounter zu günstigen Preisen an. Auf die Tasse oder Glas umgerechnet ergeben sich meist nur wenige Cent mehr für einen fair gehandelten Kaffee, Tee oder Orangensaft. Nach ersten Hochrechnungen betragen die Mehrkosten für die fair gehandelte Produkte im Sitzungsdienst eines Landkreises pro Jahr insgesamt rund 1.000 Euro.

Es wird die Entscheidung getroffen, als Kreis den Titel „Fairtrade-Kreis“ anzustreben.

2. Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zum „Fairtrade-Kreis“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Die Steuerungs-gruppe beim Landkreis Neuwied kann sich zusammensetzen aus jeweils einer Vertreterin/einen Vertreter – der Presse- und Öffentlich-keitsarbeit des Landkreises – der Integrierten Umweltberatung – der Wirtschaftsförderungsgesellschaft – der Eine-Welt-Initiativen – des Einzelhandels. Empfehlenswerterweise sind Vertreterinnen/Vertreter aus Kirchen, Nichtregierungsorganisationen, Schulen, Vereinen und Medien hinzuzuziehen.

3. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus fairem Handel angeboten und in Cafes und Restaurants werden Fairtrade-Produkte ausgeschenkt. Die Anforderung ist nach Einwohnerzahlen gestaffelt.

4. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fairtrade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt.

 

Über den Status Quo hinaus soll aber auch mit Hilfe des Schulverwaltungsamtes, des Kreismedienzentrums und des Kompetenzteams zur Lehrerfortbildung die Sensibilisierung und das Bewusstsein zu diesem Thema in den Schulen gesteigert werden.

 

5. Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zum „Fairtrade-Kreis“. Eine kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit trägt maßgeblich dazu bei, das Bewusstsein für eine „globale Verantwortung“ und „fairer Handel“ in der Bevölkerung zu steigern. Hierbei soll – in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren – die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Neuwied helfen. Beispielsweise können Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der Fairen Woche, und Medienarbeit usw. durchgeführt werden.

 

Über die genannten Kriterien hinaus sollen weitere Maßnahmen die Fairtrade-Kampagne unterstützen:

  • Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit will in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren einen kreisweiten Einkaufsführer für Fairtrade-Produkte im Internet erstellen.
  • Der Kreistag fasst den Beschluss zur Milleniumserklärung des Deutschen Städtetages und anderer Spitzenverbände (s. Anlage). Bereits über 70 Kommunen haben die Milleniumserklärung unterzeichnet und unterstützen damit die im Jahre 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Milleniums-Entwicklungsziele für eine bessere, gerechtere und sichere Welt.

Im Rahmen des eigenen kommunalen Handelns prüft die Kreisverwaltung auch, inwieweit Produkte aus Fairem Handel im Rahmen des Beschaffungs-wesens grundsätzlich den Vorzug gegeben werden können (z.B. Bau, Liefer- und Dienstleistungsaufträge).

 

 

Anlagen:

Millenniums-Erklärung

Leitfaden

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